Fliegende Besen, Zaubersprüche und feuerspeiende Drachen sucht man in ihren Büchern vergebens. Sigrid Zeevaert erzählt lieber vom Leben wie es ist.
Schon als Kind hat Sigrid Zeevaert gerne geschrieben. Dass aus ihrer frühen Liebe zu Stift, Papier und Wörtern einmal ihr Beruf werden würde, stand für sie aber lange nicht zur Debatte. Stattdessen studierte sie erstmal Grundschullehramt in Aachen. Aber ihr Examen brachte sie zurück zum Schreiben: Im Rahmen ihrer Abschlussarbeit verfasste sie 1986 ihr erstes Kinderbuch.
„Max, mein Bruder“, so der Titel, wurde gleich ein großer Erfolg – und ist es bis heute. Dabei ist sein Inhalt für ein Kinderbuch eher ungewöhnlich: Es handelt von der zehnjährigen Johanna, deren Bruder an Krebs erkrankt und stirbt.
Liebe und Beziehungen, Grenzerfahrungen und Identität, erste Krisen und Verluste - Sigrid Zeevaerts Kinderbücher haben immer einen realistischer Zugang zu großen, komplexen Themen.
In „Liebe, liebe Fanni“ beschäftigt sich die kleine Nina mit der Vergangenheit ihrer Familie. „Weiberkram?“ handelt von Jasper, der ständig Zoff mit seinen Schwestern hat. Und in „Mika, Tony und Jack“ geht es um eine neue Freundschaft - und den Umgang mit Trauer.
Jeden Tag um neun beginnt Sigrid Zeevaert mit ihrer Arbeit. Längst ist das Schreiben für sie eine Notwenigkeit geworden: „Wenn ich schreibe, geht es mir gut“, sagt sie.
Diszipliniert setzt sie sich an ihren Laptop und tippt Romane, Radiogeschichten, Theaterstücke und Drehbücher. Die Ideen zu ihren Texten entwickelt sie im Kopf. Mit nur einem Finger tippt sie auf der Tastatur ihres Laptops. Der berühmte Flow stellt sich aber nicht immer ein. „Schreiben ist manchmal sehr mühsam“, sagt sie.
Was ist für Sie der Ausgangspunkt einer neuen Geschichte?
Vom ersten Entwurf bis zum fertig gedruckten Exemplar ist es ein langer Weg: Im Schnitt benötigt Zeevaert ein Jahr für ein Buch – und ist damit vergleichsweise schnell. Meistens arbeitet sie parallel an verschiedenen Texten.
Mehr als 30 Kinderbücher hat Sigrid Zeevaert inzwischen geschrieben. Einige sind auch international erschienen. Es gibt Übersetzungen ins Japanische, Französische oder Koreanische.
Zeevaerts Bücher wurden schon mit vielen Preisen ausgezeichnet. Am meisten gefreut hat sie sich über den Friedrich-Bödecker-Preis. Er wird für besondere Leistungen auf dem Gebiet der neueren deutschsprachigen Kinder- und Jugendliteratur vergeben.
Hat sich ihr Schreiben im Laufe der Jahre verändert?
Als Schriftstellerin sitzt man oft alleine am Schreibtisch. Umso wichtiger, sich mit anderen auszutauschen. Gerade Nordrhein-Westfalen hat eine sehr lebendige Kinderbuchszene - mit Lesungen, Festivals und vielem mehr.
Trotzdem ist Sigrid Zeevaert auch gerne allein. Sie ist oft draußen unterwegs, geht in der Natur rund um Aachen spazieren.
Besonders mag sie den weiten Blick in den Horizont.
Eine Produktion von www.kulturkenner.de
August 2021, Aktualisierung: März 2025
Konzept & Texte: Kristina Schulze
Fotos & Videos: Markus J. Feger